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Freilauf- und Gruppenhaltung von

Calumma parsonii

Bis Ende 2006 haben wir Calumma parsonii ausschliesslich in Terrarien gehalten. Dabei hatte jedes Tier sein eigenes Becken und die Weibchen wurden im Frühjahr und Sommer in gewissen Abständen zum Männchen gesetzt. Hat das Weibchen starke Abwehrreaktionen gezeigt (Fauchen, Stressfärbung), wurde es wieder in ihr eigenes Becken zurückgesetzt. Blieb es jedoch ruhig und behielt seine Färbung, wurde es einige Tage im Becken des Männchens belassen. Da die Weibchen 2005/2006 wegen Umbaumassnahmen anders überwintert wurden ,als der bis dahin einzige geschlechtsreife Bock, waren sie nicht synchron. Als die Weibchen paarungsbereit waren, balzte der Bock noch nicht. Als er es später schließlich tat, waren die Weibchen nicht mehr bereit. In der Kälteperiode 2006/2007 wurden die Parsoniis alle identisch “überwintert”. Daher  war eine Synchronität der geschlechtlichen Aktivität von Männchen und Weibchen zu erwarten.

Ab Anfang Januar 2007 wurden im gesamten Deckenbereich Lianen und Äste angebracht. Die Äste wurden mit jedem Becken verbunden, sodass jedes Tier die Möglichkeit hat den Freilauf sowie die anderen Terrarien aufzusuchen.

 Auf diese Weise steigert sich das Platzangebot enorm, sodass den Tieren jetzt eine Grundfläche von knapp 20 m² zur Verfügung steht. Die Terrarien sind so eingerichtet und aufgestellt, dass sich die Chamäleons den Blicken anderer Artgenossen entziehen können. Diese Art der Haltung soll den Tieren ermöglichen, selbst zwischen Kontakt und Meidung von Artgenossen zu wählen. Das Problem des möglicherweise gestressten Weibchens bei Paarhaltung in einem Becken wird umgangen. Es kann sich vom Männchen distanzieren und sich aus dessen Gesichtsfeld durch Abwanderung in ein anderes Becken komplett entziehen. Da die Luftfeuchte Werte zwischen 80-90% erreicht, gibt es keinerlei Probleme mit zu trockener Raumluft.

Die Parsoniis machen bis jetzt von diesem erweiterten Platzangebot regen Gebrauch und sind aktiver, als bei der reinen Terrarienhaltung. Zu “Reibereien” kam es bisher nicht. Kommt ein Tier dem anderen gegen dessen Willen zu nahe, wird gedroht und der Eindringling zieht wieder von dannen.

An der Decke wurden an zwei verschiedenen Stellen zusätzliche Vorrichtungen zur Fütterung angebracht. Sie können mit Futtertieren bestückt werden, welche dann jederzeit für die Tiere erreichbar sind. Durch den glatten Rand der unteren Schale können sie dort nicht entweichen. Klettern sie nach oben, fallen sie wieder in die Schale, da sie sich an der Decke nicht halten können. Will man ganz sicher gehen, kann man zwischen Decke und Ast eine kleine Kunststoffschei-be anbringen. Diese ist glatter als die Decke selbst, sodass ein Entweichen über die Decke nochmals erschwert wird. Futterinsekten mit Sprungbeinen sind hierfür jedoch weniger geeignet, da sie aus der Schale herausspringen können. Diese Vorrichtungen sind aber nicht ständig befüllt. Halten sich die Chamäleons längere Zeit auf dem Freilauf auf, wird ihnen hier das Futter angeboten. Wollen sie nicht direkt fressen, so können sie es sich dort später holen.

 Nachdem sich dieses Haltungssystem bei einer Gruppe von einem Männchen und drei Weibchen bewährt hatte, wurde dieses System auch bei den anderen Tieren angewandt. So entstanden zwei Freiläufe mit jeweils einem geschlechtsreifen Männchen und zwei Weibchen. Sie wurden im Deckenbereich optisch getrennt, sodass die Männchen sich nur von wenigen Stellen ihres Freilaufes aus sehen konnten. Dies hat den Vorteil, dass die Männchen durch Konkurrenzdenken zusätzlich angespornt werden, sich zu paaren. Eine grösstenteils verdeckte Sicht zum Nachbarbock sollte auf alle Fälle bestehen bleiben, damit sich ein eventuell “unterlegenes” Männchen zurückziehen kann und sich nicht im Dauerstress befindet.

Es hat sich gezeigt, dass manche Weibchen ein bestimmtes Männchen bevorzugen. Dies äusserte sich darin, dass sie die Nähe des Einen mieden, den Anderen aber durchaus in ihrer Nähe duldeten. Dabei bestand kein Unterschied in der geschlechtlichen Aktivität der Männchen. Daraufhin wurden die Weibchen so aufgeteilt, wie deren Sympathien für die Böcke lagen. Während der Fortpflanzungszeit gab es keine Probleme. Näherte sich ein Männchen gegen den Willen des Weibchens, drohte es kurz und der Bock zog wieder von dannen.

Verpaarte Weibchen wurden im Laufe ihrer Trächtigkeit zunehmend von der Anwesenheit eines Bockes gestresst, sodass sie wieder einzeln gesetzt und auch optisch getrennt werden mussten. Sie werden nach der “Winterruhe” wieder in den Freilauf integriert.